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Wir sind Kurvenkratzer!

Brustkrebs: Mit 32 entdeckte Martina Hagspiel einen Knoten in ihrer Brust. Den Kampf gegen die heimtückische Krankheit hat sie gewonnen. Jetzt zieht sie mit ihrem Projekt Kurvenkratzer in die nächste Schlacht – um mehr Bewusstsein.

Sie ist ein echter Kurvenkratzer. Genauer gesagt, DER Kurvenkratzer. Martina, 37, sitzt am Tisch und schwenkt ein Glas mit Soda-Zitron vor ihrer Nase. Und strahlt. Zwar gilt sie noch nicht als geheilt, aber sie hat ihm – fürs erste – erfolgreich die Stirn geboten. Ihrem Krebs. Die Geschichte aber bleibt. Verdrängen will sie ihren Kampf gegen die Krankheit nicht. Im Gegenteil. Jeder soll wissen, was ihr passiert ist, wie sie sich gefühlt, wie sie gekämpft hat. Denn: Nur dann, sagt Martina, kann mehr Verständnis für die Krebs entstehen. Die Krankheit, die ihr Leben von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf stellte.

Genau in diesem Moment, damals im Oktober 2010, begann nämlich nicht nur ihr Kampf gegen den Krebs. Sondern auch ihr Leben mit dem Krebs. Schnell war Martina klar: Jeder Patient geht anders mit der Diagnose um. Was bei ihr in ausgeprägtem schwarzen Humor mündete, löste bei anderen Schweigen aus. Und bei wieder anderen Trauer. Nach einem Jahr Chemo und Therapie hörte Martina die Worte, auf die sie so sehr gehofft hatte: Der Krebs ist weg. Obwohl sie langsam aber sicher wieder neue Lebensenergien tankte, ließ sie die Krankheit dennoch nicht mehr los. „Was mich bis heute beschäftigt ist, dass unsere Gesellschaft die Krankheit nicht versteht, da jeder Patient auf seine ganz individuelle Art und Weise damit umgeht“, meint sie.

Ein Handbuch gibt es weder für die Patienten noch für deren Angehörige. Was wäre aber, wenn man einen Leitfaden bereitstellen würde, fragte sich Martina. Und genau mit diesem Gedanken war der Kurvenkratzer geboren. Jene Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für mehr Verständnis für den Brustkrebs zu sorgen.

Martina nahm die Sache direkt in die Hand. Verkaufte ihre Firma, startete in ein neues Leben. Und: Hörte vor allem zu. Anderen Frauen und Männern, die an Brustkrebs erkrankt waren oder deren Umfeld. Die Geschichten, auf die sie stieß, waren emotional, manchmal schockierend, berührend, überraschend. So erzählt sie etwa: „Ich habe eine Frau kennengelernt, akut an Brustkrebs erkrankt, die stolz darauf war, dass nicht einmal ihre Kinder von ihrer Krebsdiagnose wussten. Und das, obwohl sie längst eine Perücke tragen musste. So eine Geschichte zeigt doch, dass da etwas nicht richtig läuft im Bezug auf die Thematik.“

Mit die Zeit wuchs der Kurvenkratzer. Immer weiter. Auch über die österreichischen Grenzen hinaus. Und so entsteht nun ein Buch, in dem andere Betroffene aus aller Welt ihre Geschichten mit Martina teilen. Begleitet von internationalen Starfotografen begeben sie sich auf eine gemeinsame Reise um die vielen verschiedenen Gesichter des Krebses festzuhalten und vor allem Angehörigen einen Einblick in die und Verständnis für die Krankheit zu geben. In die Ängste, Hoffnungen und Bürden, die sie mit sich bringt.

Und Martina? Sie bleibt ihrem Kurs als Kurvenkratzer weiter treu. Die Aufgabe bleibt, sagt sie. Der Krebs ein Thema. Wenn auch diesmal ganz freiwillig.

DIE IDEE

Kurvenkratzer porträtiert 25 Menschen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Diese Menschen werden uns erzählen, was mit ihnen geschehen ist, und teilen werden Gedanken, Ängste und Wünsche.

Kurvenkratzer ist ein Buch für Betroffene, vor allem aber für deren Angehörige. Es ist ein Buch für die HelferInnen, die UnterstützerInnen, die TrösterInnen, die in der chaotischen Zeit der Krankheit oft genauso leiden wie die Kranken selbst und deren Fragen oft unbeantwortet bleiben:

Was kann ich tun, um zu helfen?
Was wird von mir erwartet?
Und vor allem: Was erwartet mich?

Dieses Buch soll der Freund für Angehörige werden, der stützt.

Man soll mit Hilfe der Erzählung von anderen Betroffenen erforschen können, was passiert.
Das Hauptziel besteht darin dass Inhalte erklärt werden, die nur dann beantwortet werden können wenn man sie selbst erlebt hat.
Natürlich kommt es zur Beschreibung von subjektiven Wahrnehmungen, aber genau der Punkt macht dieses Thema so vielschichtig und umfangreich.

Es werden zum Beispiel folgende Fragestellungen behandelt:
wie fühlen sich Knochenschmerzen wirklich an und was bedeuten chronischen Schmerzen für den Alltag? Ab wann kann man mit den Schmerzen vielleicht nicht mehr umgehen?
Wo liegen die Erfolgserlebnisse?
Was bedeutet es wenn man sagt „die Diagnose greift die Weiblichkeit an“?
Wie fühlt es sich an, wenn man als Patient versucht stark zu sein und ständig scheitert?
Was heißt es Überlebensangst zu haben, bleibende Überlebensangst, die schwer in den Griff zu bekommen ist?
Was heißt es so schwach zu sein, dass man kaum ins Bad gehen kann?
Wie fühlt es sich an, wenn man sich optisch so stark verändert, dass man sich selbst nicht mehr erkennen kann?
Wo kann ein Angehöriger helfen, wo ist es besser dass er nichts macht und wann muss er Grenzen setzen?
Was ist das Positive an einer Krankheit?

Wir werden uns also fragen:

Was für Informationen braucht ein Angehöriger, um besser mit Krankheit umgehen zu können?
Was möchte man mitgeben?
Wo kann man sich Kraft holen?
Was wurde gelernt?
Was hat sich verändert?
Was hat sich verbessert?

Das Thema Krebs und der Umgang mit der Krankheit wird somit in der Öffentlichkeit diskutiert, es wird mit dem Buch über ein Tabuthema informiert und ein entsprechendes Bewusstsein geschaffen. Man soll dadurch erfahren können, dass es nicht nur unglaublich viele verschiedene Wege gibt, wie man mit so einer Krankheit umgehen kann, sondern dass es auch möglich ist, dass man seinen eigenen guten Weg finden kann.

Jedes Kapital wird von einem anderen Fotografen gestaltet. Dadurch ermöglicht die Bildsprache eine weitere Darstellung der Unterschiedlichkeit in der Herangehensweise an das Thema Krankheit. Durch die unterschiedlichsten Stilmittel der verschiedenen Fotografen  wird die Individualität noch einmal gesondert hervor gekehrt.