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Die Motivation

Mein Name ist Martina Hagspiel, ich bin 37 Jahre alt, sportlich, voll Lebensenergie. Bin Tochter, Freundin, Schwester. Und: Ich bin ein Kurvenkratzer. Ich bin die eine von acht Frauen, die laut Statistik im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt.

Im September 2010 erhielt ich im Alter von 32 Jahren die Diagnose.

Zwischen Mammographie, Diagnose und der Präsentation des Therapieplans lagen etwa 24 Stunden.

In diesen Stunden habe ich erfahren, dass ich krank bin, eine Chemotherapie und eine Bestrahlung machen und mit der primären Behandlung ungefähr sieben Monate beschäftigt sein würde.

Mehr Fakten kamen zu mir nicht durch. Mein Kopf nahm nur eines wahr: Irgendwer, der mir sehr nahe steht, hat Krebs. Dass ich selbst die Patientin bin, musste ich erst verstehen lernen.

Dafür, dass ich Entscheidungen treffen, Zusammenhänge verstehen und mir eine Meinung bilden konnte, war mein damaliger Partner verantwortlich. Er war mein verlängerter Arm, mein Kopf, mein Informationssammler, meine Stütze, mein Gesprächspartner, meine Hilfe, mein Fels in der Brandung. Er begleitete mich, saß neben mir, hörte den Ärzten zu, stellte Fragen, redete mit den Leuten, hielt meine Hand. Stück für Stück erklärte er mir, was passierte, was man mit mir vorhatte, was zu tun war.

Als Metastasen gefunden wurden und man mir die Überlebenswahrscheinlichkeit der nächsten 5 Jahre mitteilte, wurde langsam klar, wie ernst die Situation ist. Ich musste meinen Lieben sagen was los ist und ich fand mich in der absurden Lage, dass ich die anderen trösten wollte, weil ich krank geworden bin.

Ich wurde mit sehr viel Energie und Liebe unterstützt.
Mit überraschend viel Lachen, Blödeln und Spaß habe ich den schlechteren Tagen die Zunge gezeigt. Auch wenn es um Leben und Tod ging.

Aus der glücklichen Perspektive von gesunden Menschen ist es oft schwierig zu verstehen, was so eine schwerwiegende Diagnose wirklich auslöst. Was sie für das Umfeld bedeutet. Welche Last auch auf den Schultern der Angehörigen liegt. Mein damaliger Partner konnte so vieles nicht verstehen. Zu erklären ist jedoch anstrengend, vor allem in einer Phase in der man sich selbst kaum ins Bad schleppen kann.

Ich möchte mit meinem Buch deshalb die Aufmerksamkeit auf die Tatsache richten, dass es nicht nur wichtig ist dem Patienten oder der Patientin zu helfen. Es ist mindestens so wichtig, die unmittelbaren Angehörigen und Begleiter,-innen zu stützen – zu fragen „ wie geht es Dir eigentlich?“, „was brauchst Du?“ und „wie kann ich Dich unterstützen?“

Inzwischen sind meine Haare nachgewachsen, die Chemotherapie, die Bestrahlung und die schwere Zeit danach sind vorbei. Ich selbst bin am Krebs gewachsen, habe Erfahrungen gemacht, gelernt.

Nach meiner Rückkehr ins aktive Leben habe mich entschlossen, über meine Krankheit und meine Geschichte zu sprechen, habe Charity- Veranstaltungen moderiert und bin im Zuge dessen Frauen begegnet, denen Ähnliches widerfahren ist.

Was mir dabei aufgefallen ist? Keine Herangehensweise an das Thema "Umgang mit Krankheit" war ident. Und dennoch: jede war in sich schlüssig, in sich nachvollziehbar und nicht zuletzt in sich erfolgreich

Deshalb will ich all diesen starken Menschen und ihren unermüdlichen Begleitern und Begleiterinnen mit dem Kurvenkratzer eine Stimme geben.